Siehst du, wie der Schmetterling in dem Glas fliegt, wie er trotz des Tuches Luft bekommt, wie er trotz der Enge frei wirkt, zugleich aber auch unglaublich verletzlich und schwach?
Siehst du die Angst in meinen Augen, wenn ich nicht weiter weiß, nicht weiß, was gerade um mich herum geschieht?
Der Schmetterling kann sich in dem winzigen Glas nicht verlaufen, er kann nicht entkommen. Das Tuch setzt ihm Grenzen, sowie das glitzrige Glas, das ihn umgibt.
Bei mir sind es deine Arme, deine Stimme und allein deine Gedanken, die mir meine Angst nehmen.
Irgendwann kommt jemand, nimmt das Glas, lässt den Schmetterling fliegen, er ist frei.Bei uns wird irgendwann das Gleiche passieren, wir müssen losalssen. Loslassen, um Dinge zu finden. Dinge, die dich und mich ausmachen. Dinge, die wir uns vor Augen halten müssen, damitsie nicht in den Hintergrund geraten.
Vielleicht kommt der Schmetterling eines Tages wieder, um zu gucken, ob jemand anderes in dem Glas ist, wo er einst geflogen ist.
Er wird feststellen, dass das Glas leer ist, auf dem Tuch steht und gleichzeitig wieder erdrückend und beängstigend wirkt. Der Schmetterling wagt es trotzdem, erneut in das Glas zu fliegen. Das Tuch wird wieder hinüber gedeckt und der schmetterling ist gefangen.
Wenn du kommst, um zu gucken, ob dein Platz eingenommen wurde, wirst du feststellen, dass dein Platz frei ist, aber trotzdem nicht einladend und verlockend ist. Trotzdem wirst du eine Weile bleiben, um dich zu erinnern, wie es war, als du mein Glas warst, mein Tuch und ein Teil von meinem Leben. Ich werde zulassen, dass es wird wie früher.
Du wirst mir meine Angst nehmen, allein mit deiner Anwesenheit.
Der Schmetterling wirkt erneut geschwächt. Er wird nicht freigelassen, er wird mit Sirup aufgepeppelt und fliegt munter weiter.
Ich werde schwach, fange an, mich mit dir zu streiten. Und trotzdem bist es du, der mich runterbringt, und mir die Realität vor Augen hält. Nicht die traurige, sondern die schöne Realität. Die Realität des Lebens, die, des Schmetterlings. Es wird sich um ihn gekümmert, er ist vor Feinden geschützt. Er musste aber den Kompromiss eingehen, nicht so schnell wieder frei fliegen zu können, vieleicht nie.
Aber er weiß, dass er sich auf das Glas und seinen Besitzer verlassen kann. Darauf, dass er Sirup bekommt, darauf, dass das Glas nicht zerbricht, darauf, dass das Tuch nicht reißt.
Um mich wird sich auch gekümmert, von dir. Ich musste den Kompromiss eingehen, dich zu akzeptieren, mich zu akzeptieren. Mein Schutz sind deine Arme, die sich um mich legen. Mein Tuch ist deine Stimme, die mir sagen, dass es reicht. Und mein Sirup ist die Masse deiner Gedanken, die du mich wissen lässt.
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